Reset – alles auf Null

Es wäre ja auch zu leicht gewesen, hätte es beim zweiten Anlauf gleich geklappt. Nein, nein, so nicht. Die Hormonzugabe, die Begleiterscheinungen Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit, alles durch die externe Zufuhr.

Ich war kurz sehr traurig, aber gut. Eigentlich habe ich es ja eingeplant, damit gerechnet, das es diesmal mit dem Transfer von nur einem Embryo länger dauern kann. Inzwischen habe ich den Sommerurlaub gebucht und freue mich sehr auf die kleine Auszeit. In unserer Klinik soll man mindesten zwei Zyklen warten, bevor sie eine Kryo starten. Ich hoffe Ende September ist es soweit. Bis dahin versuche ich nicht allzu viel über das alles hier nachzudenken!

Liebe Frau Planungeduld: Herzlichen Glückwunsch, toll das es gleich doppelt geklappt hat! Und auch Dir Liebe Frau Einstrich: meine Daumen sind gedrückt! Jetzt muss es einfach passen.

Wie ich mich kenne, lasse ich das Schreiben für die kommenden Wochen sein und melde mich dann wieder hoffnungsvoll wenn es weiter geht!

 

xxx

 

Die erste Woche: PU+11, TF+7

Die ersten sieben Tagen sind nun rum und ich muss sagen, schneller als erwartet. Von Freitag bis Montag sind wir verreist und schöne Momente gehen ja bekanntlich schnell vorbei.

Ich finde es so schade, dass man diese zwei Woche schnellstmöglich vorbei wissen möchte und das im Sommer, der doch eigentlich nicht lang genug sein kann. Somit versuche ich bestmöglich innezuhalten, um die langen Tage ein Stück weit zu geniessen.

Mir hilft dabei das Lesen von Büchern abseits des Themas. Ich bin die letzten Monate beruflich viel gereist, es gab viele Verspätungen, lange Zugreisen und Anschlussflüge wurden verpasst. Das Positive daran ist, dass ich Zeit zum lesen hatte. Einen Luxus den ich sonst nur im Urlaub geniesse. Im Alltag bin ich einfach zu kaputt bzw. fehlt mir die Zeit. Und wie es scheint, verbindet mein Körper das Lesen mit Erholung. Der richtige Sommerurlaub steht noch aus, doch dank der Lesezeit der letzten Wochen bin ich recht entspannt. Die Zeit verfliegt und ich steige nur für eine Stunde täglich ins Gedankenkarussell.

Letzte Woche Donnerstag (Der 13. Juli 🙂 ) war mir nachmittags das erste Mal flau im Magen, Freitag wieder und heute war es den ganzen Tag da. Seit Samstag gibt es da hin und wieder auch dieses diffuse Gefühl in der Gebärmutter. Es ist kein Schmerz, man merkt nur ganz bewusst das sie da ist. Ab und an sticht es punktuell. Das macht mir jedes Mal Angst, weil es letztes Jahr auch so war. Letztlich stellte sich heraus, das sich genau dort das Kleine eingenistet hatte. Wenn jetzt der punktuelle Impuls im oberen, ehemals eileiternahen Bereich auftaucht, hoffe ich jedesmal das es schnell vorbei geht und auch unwillkürlich an anderen Stelle auftritt.

Mein Körpergefühl sagt mir ganz klar – Ja – es hat geklappt, irgendwas tut sich da. Doch das Tückische an den ganzen künstlich zugeführten Hormonen ist, dass die Verbindung zum eigenen Gefühl sehr auf die Probe gestellt wird. Eine enorme Vertrauensfrage. Bilde ich mir das alles nur ein? Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, ein Nebeneffekt der nirgendwo im Beipackzettel mit aufgeführt wird.

Letztes Jahr war ich hibbelig und habe bereits an PU+12 getestet – positiv. Morgen wäre es soweit. Zwei Tests liegen für die kommenden Tage seit heute bereit. Ich habe extra einen Test genommen, der erst ab 25 Einheiten/ml anschlägt. Doch da der Transfer diesmal einen Tag später stattfand, ist das zugeführte Hcg vermutlich noch höher konzentriert und weniger abgebaut. Kaum zu glauben, aber ich denke ich schaffe es diesmal einen Tag länger mit dem Testen zu warten. PU+13! Das klingt gut.

Wirklich spannend wird es, falls positiv, erst in 2 Wochen. Ein positiver Test alleine bringt mich nicht zum jubeln. Das mögliche Finden am richtigen Platz, das wird die eigentliche Herausforderung.

Aber jetzt schweife ich schon ab, soweit bin ich noch lange nicht, dazwischen gibt es noch genug Tage des hoffnungsvollen Nichtwissens. Vielleicht sind die künstlichen Hormone diesmal auch stärker und täuschen das Körpergefühl.

 

Meine Maulbeere

Nun bin ich also seit ein paar Stunden glücklich vereint mit meiner Morula. Zeitgerecht entwickelt und eben ein wenig schöner als die Konkurrenz, schwebt Sie nun in meinem Uterus umher.

Bei meiner ersten IvF konnten 10 Eizellen punktiert werden. Davon liessen sich fünf befruchten, doch nur zwei bildeten die vielversprechenden Vorkerne aus. Klar fragt man sich, welche genetischen Ursachen sich hinter der fehlerhaften Befruchtung verbergen, doch da wir damals sowieso nicht einfrieren wollten, war es auch nicht so wichtig. So hat uns die natürliche Selektion davor bewahrt uns für oder gegen Embryonen zu entscheiden. Zwei wollten wir zurück und die zwei zeigten eine super Qualität.

Für dieses Jahr stellen wir uns auf eine längere Wartezeit ein. Vielleicht klappt es gleich beim ersten Mal, vielleicht auch nicht. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung ist beim Einsetzten eines Embryos natürlich geringer. Wenn es jetzt nicht funktioniert, gibt es da aber noch die wunderbare Alternative eines schönen Sommers. Stunden am Meer und dazu  viele Gläser Weisswein.

Von den am Freitag elf punktierten Eizellen zeigten sechs Stück am nächsten Tag die erhofften Vorkerne. Heute habe ich dann erfahren, dass es insgesamt drei bis zur Morula geschafft haben. Die restlichen drei hinken mit sechs Zellen an Tag 4 deutlich hinterher. Diese wurden verworfen, doch zwei weitere werden kryo-konserviert. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. So hat sich die gesamte Tortur der Simulation wenigsten gelohnt und falls es nun nicht klappt, wird der nächste Zyklus deutlich entspannter.

Jetzt beginnt die offizielle Warteschleife, dazu gibt es gewiss in ein paar Tagen mehr Gedanken!  Ach und auch das schöne Erlebnis, das es mit den Störchen auf sich hat! Vielleicht weiß die ein oder andere Bescheid?

17 Monate später

17 Monate später und wir sind immer noch nicht Eltern. Seit 12 Monaten bin ich verheiratet, das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Nach 9 Jahren Beziehung hätte ich nicht gedacht, dass das Ja-Wort doch nochmal so viel verändern kann. Immer noch zaubert es mir jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht, wenn ich mich sagen höre „das ist mein Mann“. Also hier ein positiver Effekt der ganzen Misere, in der wir uns nun schon seit 2,5 Jahren befinden.

Letztes Jahr im August starteten wir mit unser ersten IvF – ich wurde schwanger, doch letztlich stellte sich heraus, dass sich das Kleine im Tubenwinkel (intramulare Schwangerschaft) eingenistet hat. Es wurde bis zum Klinikaufenthalt nicht erkannt, wie prekär die Lage war. Die Fruchtblase wuchs aus dem vernabten Tubenstumpf heraus und war kurz vorm Reißen. Wieder mal ein sehr seltener Eingriff, wie mal der große statistische Ausreißer. Die Gebärmutter musste geöffnet werden, es floss viel Blut und am Ende lag ich ganze 3 Wochen flach – so hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Mein Körpergedächtnis hat sehr gelitten und der Speicher ist voll. Psychisch geht es mir gut, doch die Angst sitzt tief unter der Haut.

Seit ein paar Tagen sind wir wieder in Behandlung. Gestern war Punktion, heute kommt das Befruchtungsergebnis. Ich stelle mich diesmal auf eine längere Warteschleife ein, da wir aus gegebenen Gründen nur noch 1. Eizelle zurückführen wollen. Mit der Geschichte meiner Gebärmutter wollen wir kein allzu großes Risiko eingehen. Schließlich ist es das Wichtigste, dass es mir weiterhin gut geht.

Wir sind tapfer und stark, doch um jeden Preis wollen wir es nicht versuchen.

Das Leben ist auch kinderlos sehr lebenswert.

 

Ich versuche hier über unseren weiteren Verlauf zu schreiben, diesmal halte ich all die Informationen in meinem Umfeld flach. Die traurigen Gesichter, wenn es wieder nicht klappt oder es Komplikationen gibt, mag ich momentan nicht sehen. Umso schöner ist es, hier die Möglichkeit zu haben alle Gedanken heraus zu lassen.

Weitergehen

Ich mag das Leben sehr! Glücklicherweise bin ich mit einer Leichtigkeit gesegnet, die es mir erlaubt, aus jeder noch so misslichen Situation etwas positives zu ziehen. Bisher lief alles nach Wunsch, zum Glück, so konnte ich viel Kraft speichern. Inzwischen hatte ich die Chance mich ein paar meiner Lieblingsmenschen anzuvertrauen. Jetzt wo wir noch am Anfang stehen, davon ausgehen, dass die moderne Medizin uns hilft, fühle ich mich sehr zuversichtlich. Kinder zu bekommen ist jetzt nicht mehr selbstverständlich für mich. Auch mit dem Gedanken, das es nicht klappt, haben wir uns schon befasst. Doch alles zu seiner Zeit.

So traurig es auch ist, aber ich bin mit meiner Situation nicht allein. Ja ich denke sogar, dass ich ja noch Glück habe. Es gibt eine klare diagnostizierte Ursache.

„What´s for you will not pass you by“ Gerade lerne ich, dass das sowohl für die guten als auch für die schlechten Dinge gilt. Jedes Leben birgt Herausforderungen ganz unterschiedlicher Natur. Ich bin froh, hier ehrliche Einblicke in so viele verschiedene Leben zu bekommen und menschliche Stärke zu sehen.

Ich bin sehr gespannt auf das was kommt und drücke hier regelmäßig fest die Daumen für alle anderen mit!

xoxo

13

Meine Lieblingszahl, irgendwann vor vielen Jahren habe ich mir das so überlegt und es seitdem nicht bereut. Alleine in den letzten 7 Tagen trat sie super häufig in Erscheinung:

  • Meine Krankenkasse vor Ort hat die Hausnummer 13
  • ich werde dieses Jahr 31
  • wir heiraten, 13 Jahre später als vor vielen Jahren versprochen
  • Meine Ma und ich gönnen uns aufgrund des Geschehen bald eine Auszeit-Woche mit viel Ruhe und Entspannung, unser gebuchtes Zimmer hat die Nummer 13.
  • Am 13.7. ist das Erstgespräch in der KiWu-Klinik!

Mit dem jetzigen Wissen geht es mir viel besser. Die Schwester aus der Klinik, mit der ich heute gesprochen habe, war super kompetent und freundlich.

Juli passt, ich freue mich!

 

Vom Heiraten

Uns war immer klar, dass wir eines Tages heiraten wollen. Wir kennen und lieben uns schon so lange. Doch eine große Priorität, Nein, das ist es in unserer beider Leben nicht. Warum auch, es gibt uns auch so. In meinem engsten Freundeskreis hat sich bisher auch nur ein Paar getraut und das bereits nach ein paar Monaten zusammensein. Also gibt es quasi keinen Impuls von außen. Bis jetzt.

Die „Welchen Nachnamen tragen wir“-Diskussion habe ich schon vor zwei Jahren verloren, ich bereite mich seitdem darauf vor. Ja ich liebe meinen Nachnamen, ich liebe die Personen, die Geschichte die dahinter stehen. Genauso geht es meinem Freund aber auch. Ein Doppelname aus beiden, Nein, das klingt in diesem Fall nicht gut. Ja ich weiß, heutzutage kann auch jeder seinen Namen trotz Heirat behalten, doch das entspricht nicht meiner persönlichen Vorstellung. Leider!

Jetzt

Angesichts der enormen Kosten die auf uns zukommen werden // es ist wirklich unfair, wo bleiben die Krankenkassen, Familienstatus-unabhängigen Subventionen (es gibt 12,5%, anstatt potenziellen 50-100%) // macht eine Hochzeit durchaus Sinn, zumal wir ja sowieso immer wollten. Was machen eigentlich Paare, die ohne Trauung zusammen sein wollen? Überlegt man es sich dann doch schnell, oder bleibt seinen Prinzipien treu? Ist das dann einkommensabhängig?

Jetzt scheint es so als ob wir die Motivation, die ja Liebe sein sollte, ein wenig übergehen, indem der eigentliche Auslöser, die finanzielle Unterstützung durch unsere Krankenkassen bei der Familienplanung ist.

Das fühlt sich komisch an.

Meine Wunschtimeline 2016 sieht seit einer Woche so aus:

erste IvF: Juni/Juli 2016

Ist es möglich davor zu heiraten, wenn man erst seit zwei Tagen ernsthaft darüber nachdenkt? Ich bin keine Frau, die seit Ihrer Jugend von diesem Tag träumt, obwohl ich immer wusste das ich es möchte, sonst wäre ich jetzt besser vorbereitet. Holen wir uns „professionelle“  Unterstützung, einen Wedding-Planner? Heiraten wir nur zu Zweit im Ausland? Lassen wir uns im familiären, kleinem Kreise erstmal zusammenschreiben und feiern im Spätsommer ein schönes Fest samt Freunden? Machen wir das Sommerfest dann wirklich?

Zahlen wir die erste IvF mit Hilfe eines neu angelegten Wir-wollen-ein-Enkelkind-Familien-Fond eigenständig und heiraten nur einmal im Spätsommer, so wie wir es uns vorstellen? Fragen über Fragen.

 Und bei all dem bitte nicht die Achtsamkeit fürs Jetzt verlieren!

In jedem Unglück wohnt auch ein Kern Glück

Heute war ich kurz bei der Arbeit. Ein paar Ergebnisse der letzten Tage anschauen und  den Beginn der nächsten Woche planen. Ich rede mir ein, dass es mir psychisch ganz gut geht. Dachte ich zumindest.

Letzten Sommer erzählte mir eine liebe Kollegin ganz offen, dass sie und ihr Mann nach drei erfolglosen ICSI ihren eigenen Kinderwunsch aufgeben. Das tut mir so leid, sie ist nicht viel älter als ich und ein absoluter Familienmensch. Von Ihrer Offenheit angesteckt, erzählte ich Ihr von meiner ersten ELSS. Sie hat mich aufgemuntert und wie jeder andere gesagt, dass das einfach nur Pech war.

Vorhin haben wir uns kurz gesehen und sofort fingen die Tränen an zu fließen. Sie ist die einzige Person in meinem nahen Umfeld, die weiß wie ich mich gerade fühle. Sie hat das alles schon durchgemacht. Kennt die ersten Schritte, die Ärzte, die Hoffnung, aber auch den freien Fall, wenn alles nichts hilft.

Ich bin dankbar, das sie jetzt für mich da ist. Dankbar für Ihre wertvollen Erfahrungen. Das wird uns sicher gerade zu Beginn helfen, die Situation realistisch einzuschätzen und zu planen.

Es ist komisch, aber die Kraft mich meinen engsten Freundinnen mitzuteilen hatte ich noch nicht.

Think positiv

Ja das Schicksal meint es wirklich gut mit uns. Aufgrund der prekären Lage in der wir uns jetzt befinden, ist es an der Zeit endlich das Thema Hochzeit anzupacken.

Das erste, ernsthafte Stöbern im Internet macht mir Mut. Eine schöne Kulisse um sich auf das Thema einzustimmen. Zu finden zwischen Hamburg und Berlin.

http://hochzeitshof-glaisin.de

Wie bereits geschrieben, damit habe ich vor einer Woche noch nicht gerechnet. Wir scherzen schon – es scheint unser zukünftiger Nachwuchs mag es konservativ.